Klavierunterricht mal anders
Liebe Musikfreunde!
Jeder von uns will im Leben möglichst viel erreichen,
um eigene Wünsche zu verwirklichen, Neues zu entdecken.
Sie haben entschlossen Klavier zu spielen und schon bald kommen
viele Fragen über das Instrument, Ihr Alter, Besonderheiten
des Lernprozesses. Ich hoffe, dass die Antworten meiner
erwachsenen Schüler, die im Alter zwischen 30 und 70 mit dem
Klavierspielen angefangen haben, helfen Ihnen, Ihren eigenen Weg zu finden.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!
Ihre Olga Friesen
Was fasziniert mich eigentlich am Klavier zu spielen?
"Ich finde Klaviermusik ist die schönste Musik von allen
im Vergleich zu anderen Instrumenten. Das Klavier ist ein
anmutiges Instrument. Wenn ich Menschen beobachte,
die Klavierspielen können, dann ist es als ob das Klavier
eine Verlängerung ihrer Arme und damit ihres Körpers ist,
alles wirkt dann so fließend: vom Körper zum Klavier
und zurück. Und das möchte ich eines Tages auch mal fühlen können."
"Der Klang und seine unglaublich große Bandbreite mit der
sich ein ganzes Orchester simulieren lässt. Die Möglichkeit
sich musikalisch ausdrücken zu können, sowie die umfangreiche
Literatur für das Instrument."
"Der Klang, Technik und Form des Klaviers."
"Mir gefällt es, ein Instrument "anzufassen" und den Klang wahrzunehmen."
"Mich fasziniert das Instrument Klavier, insbesondere dessen
Klang und Haptik. Ich berühre gerne die Tasten. Beim Spiel
auf dem Klavier ist es viel mehr, als das bloße Anschlagen
der Tasten und das in Schwingung versetzen der Saiten.
Es fließt etwas und das Herz ist dabei..."
"Die großen klassischen Vorlagen und Vorbilder, das
umfangreiche Klangvolumen, die tonale und polyphone
Unbeschränktheit des Klaviers gegenüber den meisten anderen
Instrumenten."
Ist es für mich wichtig, einen guten Klavier/Flügel zu haben und nicht ein Digital-Piano?
Wo liegen die Unterschiede zwischen den beiden Instrumenten?
"Auch wenn die heutigen Digital-Pianos eine beachtliche
Annäherung an akustische Instrumente geschafft haben,
bleiben sie doch letztlich eine Kopie die das Original
nicht erreicht. Das Pedal ist bei Digital-Pianos jedoch
noch das größte Manko. Insbesondere die dynamische Bandbreite
und Klangfarbe ist auf einem akustischen Instrument wesentlich
größer. Die Flügel-/Klaviermechanik arbeitet zudem komplett
anders als die Kopie im Digitalpiano. Die Auslösung lässt
sich an einem Digitalpiano viel schwerer beherrschen.
Insbesondere das Spielen im Pianissimo - Bereich, sowie
schnellere Repetitionen (z.B. bei Trillern) sind auf
einem akustischen Instrument, insbesondere an einem Flügel,
wesentlich leichter erlernbar."
"Mein Traum wäre es einen eigenen Flügel oder zumindest ein eigenes Klavier zu besitzen. Zunächst dachte ich, dass ein Digital-Piano für den Einstieg ausreichen würde. Inzwischen habe ich festgestellt, dass ein Digital-Piano keinesfalls ein Klavier ersetzen kann. Auch das erforderliche Üben ist auf einem Digital-Piano nicht richtig möglich. Tasten, Pedal und Anschlag reichen nicht an die eines richtigen Klaviers heran – so kann man kein Feingefühl entwickeln und spielt viel zu mechanisch! Und nicht zuletzt der Klang, erzeugt von echten Hämmerchen, die die Saiten anschlagen und den Schall im Resonanzkörper erzeugen, ist an Volumen und Reinheit den Digital-Pianos weit überlegen."
"Ich habe noch nie auf einem Digital-Piano gespielt, daher habe ich keinen Vergleich. Vom Gefühl her würde ich aber ein Klavier bevorzugen, schon allein weil es klassisch, traditionell ist und man Musik damit "von Hand" machen kann und nicht auf Strom angewiesen ist. Ich denke ein Klavier hört sich "echter" an. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass man beim Digital-Piano den Tönen ihre Farbe geben kann, indem man unterschiedlich hart oder weich anschlägt."
"Tatsächlich habe ich nur ein Digital-Piano. Wahrscheinlich werde ich mir aber irgendwann ein richtiges Klavier zulegen. Das Klavier ist in Klang und Mechanik überlegen, auch die Polyphonie geht etwas weiter. Das Digital-Piano ist etwas flexibler einsetzbar."
"Ja, für mich ist es jetzt wichtig ein gutes Instrument zu haben, auch wenn ich "nur" Anfänger bin - sodass jeder Ton ein Geschenk ist. Das Klavier hat lebendige Töne."
Was bedeutet für mich Spielen ohne Noten, nach Gehör, Improvisieren, freies Musizieren?
"Ich bewundere Menschen, die frei spielen können. Das auch ein klein wenig zu können, ist ein Traum."
"Ich liebe es ohne Noten zu spielen. Man ist freier und kann sich auf das Spielen konzentrieren. Das Improvisieren liegt mir nicht und spricht mich auch nicht an."
"Ich finde es gut, mal nichts vom Papier lernen zu müssen. Ich lese viel und gerne, aber beim Klavierunterricht kann ich mein Gehör aktivieren, meinen Tastsinn und muss mich darauf verlassen lernen. Das entspannt und ist ein guter Zugang zur Musik. Improvisieren ist eine Art von Gefühlsausdruck. Ich lerne mich auf eine andere Art und Weise auszudrücken, nämlich nicht durch Worte, sondern durch Töne. Ich finde es erfüllend und gleichzeitig aber auch beruhigend mich neu kennenlernen zu können."
"Freude am Spielen, sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Entspannung."
"Ich entspanne mein Gehirn und mich beim Improvisieren – ich freue mich an den Tönen, es macht mir Spaß ihnen zuzuhören. Sie erreichen mich innen. Ich sammle auch Lust und Konzentration, mich wieder komplizierten "Notengebilden" zuzuwenden"
"Freiheit, Verschmelzen mit der Musik, dem Klang und den Gedanken, die dann entstehen und ENTSPANNUNG!!!"
"Als Fernziel und Nebenprodukt ganz interessant. Für mich steht jedoch das Erarbeiten einer guten technischen und musikalischen Grundlage im Vordergrund, was dann wiederum später auch die Improvisation erleichtert."
Spielt mein Alter eine gewisse Rolle im Lernprozess und beim Musizieren?
"Es zwingt mich keiner Klavierspielen zu lernen und regelmäßig zu üben. Auch kann ich mich heute wohl besser disziplinieren als noch als Kind oder Teenager.
Auf der anderen Seite ist der größte Nachteil als Erwachsener glaube ich jedoch der, dass man seine kindliche Unbefangenheit verloren hat. Ein Kind stört es z.B. wohl in der Regel wenig, wenn es die falschen Töne trifft und sich verspielt. Der Spieltrieb überwiegt denke ich in dem Alter den "Kopfbetrieb" bei weitem. Für ein Kind ist es normal, Anfänger zu sein. Für einen Erwachsenen hingegen ist es viel schwieriger wieder als totaler Anfänger, als "Nichtskönner" dazustehen. Die Versagensängste sind hier, wenn auch unterbewusst, viel größer. Der größte Kritiker ist man zu allem Überfluss außerdem selbst, was meiner Meinung nach den Lernprozess bei einem Erwachsenen unnötigerweise verlangsamt."
"Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mit meinen 32 Jahren Nachteile gegenüber eines jüngeren Menschen habe. Obwohl ich als Kind niemals Noten gelernt und auch nie musiziert habe, bringe ich auf Grund meiner anderen Tätigkeiten und Hobbys einige hilfreiche Fähigkeiten mit: Fingerfertigkeit, Rhythmus- und Taktgefühl, Musikalisches Gehör, Lernbereitschaft, Entschlossenheit. Vielleicht sind dies Vorteile, die ein sehr junger Mensch nicht hat, wenn er das Klavierspielen erlernen möchte. Im höheren Alter lassen diese Fähigkeiten wahrscheinlich etwas nach, wenngleich Arthur Rubinstein auch bis zum Ende brillant gespielt hat..."
"Ja, ich denke mein Alter spielt eine Rolle. Ich bin zwar nicht alt , aber leicht fällt es mir nicht meine Koordination von rechter und linker Hand zu trainieren. Ich denke da haben es Kinder einfacher. Und beim Improvisieren sind auch mehr innere Mauern und Hürden zu nehmen, um sich fallen zu lassen. Ich denke oft, ich mache es falsch und ärgere mich dann zu lange, anstatt es direkt wieder zu versuchen."
"Ganz sicher, vor allem im Bereich Disziplin und Theorie."
"Ja, beispielsweise durch Beeinträchtigung der Motorik, der Seh-, Hör- und Konzentrationsfähigkeit."
"Das Alter spielt beim Lernprozess immer eine gewisse Rolle. Was aber nicht heißt, dass man es nicht mehr erlernen kann . Da gibt es natürlich Unterschiede, ganz abhängig von der Begabung und des Ehrgeizes."
"Ich glaube, dass mein Alter schon eine gewisse Rolle spielt – die Hände sind nicht mehr so beweglich und ich lerne "Notentürme" langsamer. Aber was die innere Freude beim Musizieren betrifft, spielt mein Alter keine Rolle. Und es war meine Entscheidung!"
Welche Ziele möchte ich nach einiger Zeit erreichen?
"Ich möchte mich ans Klavier setzen und einfach flüssig und sicher spielen können und ich die Töne und Akkorde wiedererkennen, wenn ich sie woanders höre. Ich möchte einfach ein musikalisches Grundverständnis erlernen und Verknüpfungen zwischen verschiedenen Stücken herstellen können."
"Mein großes Ziel wäre es ein akzeptables Repertoire an Stücken zu beherrschen und die nötigen Techniken zu erlernen, um mir jederzeit weitere Stücke selbst beibringen zu können. In mir reift auch die Idee, mich mehr dem Thema Klavier zu widmen und vielleicht zu versuchen, eine Art kleiner "Pianist" zu werden. Das Ziel ist nicht der beste Pianist zu werden, aber vielleicht der sympathischste und auffälligste. Es würde mich auch reizen, sofern ich irgendwann besser Klavier spielen kann, zusammen mit anderen Menschen zum Beispiel vier- oder sechshändig auf dem Klavier oder in einem Ensemble zu musizieren."
"Erweiterung meines Repertoires (Barock, Klassik und Romantik) und fehlerfrei/er spielen, einige Stücke auswendig spielen."
"Besser Klavier spielen zu können natürlich. Konkret: Stücke mittlerer Schwierigkeit nach ein paar Tagen Üben halbwegs flüssig durchspielen zu können, d.h. mich schon nach kurzer Zeit um den musikalischen Ausdruck bemühen zu können, anstatt wie bisher nur nach den richtigen Noten zu fahnden."
"Ich möchte ein wenig Musik machen und irgendwann von Noten ein einfaches Stück spielen können."
"Ich möchte in 1-2 Jahren in der Lage sein leichte bis mittelschwere Stücke in ihren Grundzügen analysieren und verstehen und bis zu einem gewissen Grad selbständig erarbeiten (z.B. Fingersätze und Interpretation) zu können. Leichte Stücke würde ich gerne vom Blatt spielen können.
In 3-5 Jahren möchte ich mittelschwere Stücke wie z.B. erste Sonaten von Beethoven, Mozart, Schubert, Ungarische Tänze von Brahms, Chopin Nocturnes, erste Chopin Etüden.vollständig selbständig erarbeiten können.
In 5-10 Jahren möchte ich anzufangen zu improvisieren und eigene Klavierwerke zu komponieren.
In 10 – x Jahren möchte ich jedes Stück nach einer gewissen Erarbeitung musikalisch verstehen können."
"Ich will immer mehr dazu lernen und schauen, wo es hingeht. Es fühlt sich gerade gut an, mich mit Nichts und Niemandem zu vergleichen. Aber mein Wunsch ist, dass die Lust zu spielen und die Motivation zu üben bleiben!"